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Intoxikation mit rodentiziden Antikoagulantien (`Cumarinvergiftung`): Neues zu Diagnose und Therapie
`Cumarinvergiftungen` - nach oraler Aufnahme von `Rattengift` - stellen die häufigsten Vergiftungen bei Hunden und Katzen dar. Die Diagnostik wird immer schwieriger, weil die meisten Produkte erst 5-10 Tage nach Giftaufnahme zu klinischen Symptomen und Veränderungen von Blutparametern führen. Was tun?

Bei 20 in der Kleintierklinik der FU Berlin mit Blutungen vorgestellten Hunden wurde retrospektiv eine Vergiftung mit rodentiziden Antikoagulantien diagnostiziert. Die häufigsten Symptome waren Lethargie (90 %), Blässe (75 %) und Dyspnoe (65 %). 17 Hunde bluteten in Körperhöhlen oder entwickelten Hämatome, 8 Tiere zeigten oberflächliche Blutungen. Pleuraergüsse, Lungeninfiltrate und Perikardergüsse bestanden bei 11, 9, bzw. 1 Hund. Einen abdominalen Erguß zeigten 7 Hunde, und 1 Hund entwickelte eine Hämometra. 90 % der Hunde waren anämisch, 60 % leicht bis mittelgradig thrombozytopenisch, und 80 % (12/15) hatten eine Hypoproteinämie. Die Prothrombinzeit (PT) sowie die aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT) waren bei allen Tieren deutlich verlängert (PT: 40 oder mehr nach 100 s, aPTT: 27.3 oder mehr nach 100 s) [Normwerte PT: 14.6-20.4 s; aPTT: 13.2-18.2 s]. Etwa die Hälfte der Tiere hatten entweder eine normo- (44 %, 4/9) oder Hyperfibrinogenämie (56 %, 5/9) [1.3-3.3 g/l].
Es wurden keine Fibrinabbauprodukte (FDP) im Plasma der 9 untersuchten Tiere festgestellt.

Die Therapie bestand in der Gabe von Vitamin K-1 (20/20), DEA 1.1 kompatibles Vollblut(4/20), `packed red blood cells` (11/20), und/oder frisch gefrorenem Plasma (19/20) sowie in der unterstützenden Therapie. Initial erhielten alle Hunde das Vitamin K-1 subcutan (2.5-5.8 mg/kg). Am zweiten und dritten Tag wurde Vitamin K-1 in der Dosierung von 1.5-3.1 mg/kg 2x täglich s.c. bei 12 und p.o. bei 6 Hunden verabreicht.
Die Erhaltungsdosis betrug 1.0 bis 2.6 mg/kg 2x täglich p.o. über 3 bis 10 Wochen. Die Koagulationszeit verbesserte sich bei den 17 überlebenden Tieren binnen 24 Stunden. PT und aPTT normaöisierten sich bei 3 Hunden binnen 24 Stunden, bei 9 Hunden binnen 48 Stunden und bei 5 Hunden binnen 72 Stunden. 3 Hunde starben während der ersten 72 Stunden durch intrathorakale Blutungen. Trotz schwerer Blutungen konnte eine Überlebensrate von 85% durch die sofortige Intensivtherapie mit Vitamin K-1 und Blutprodukten erzielt werden.


Quelle: S Reitemeyer, B Kohn, U Giger, L Brunnberg (2001): Rodenticide intoxication in 20 bleeding dogs: Diagnosis and therapy. In: Kleintierpraxis, 2001, Vol 46, Iss 9, pp 549+





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KLEINTIERPRAXIS

Update zu Vergiftungen mit Rodentiziden bei Katzen
Wie häufig sind Vergiftungen mit Rodentiziden bei Katzen, wie viele davon sind Antikoagulantien (`Rattengift`), wie wirksam ist eine gastrointestinale Dekontamination (GID) im letzteren Fall? Es gibt interessante Erkenntnisse dieser retrospektiven Studie mit knapp 150 betroffenen Tieren, manche davon enorm relevant für die tägliche Praxis: eine Bestimmung der PT 48 Stunden nach Giftaufnahme beispielsweise ist mit und ohne GID ein absolutes Muss und entscheidet über das weitere Vorgehen.

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