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Acepromazin - Einsatz beim Sportpferd
Spätestens seit dem positiven Befund des Weltklasse-Springpferdes `Shutterfly` von Meredith Michaels-Beerbaum während des Weltcupfinales in Mailand in diesem Jahr ein Thema: Acepromazin-Gabe beim Sportpferd. Die offizielle Stellungnahme der Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM) beseitigt sämtliche Unklarheiten.

Acetylpromazin hat in der Vergangenheit immer wieder zu positiven Ergebnissen bei Medikationskontrollen im nationalen wie im internationalen Reitsport geführt.

Die Tierärzteschaft verwendet ACP seit Jahrzehnten in Kombination mit andern Mitteln zur Sedierung von Pferden .Darüber hinaus findet die Substanz weit verbreitet Einsatz durch die Reiter zum Scheren ,Beschlagen oder Transportieren der Pferde sowie zum Anreiten junger Pferde.

Es ist auch seit langer Zeit bekannt, dass die Substanz zur Manipulation von Pferden für die Wettkampfteilnahme eingesetzt wird.

ACP ist ein Phenothiazin-Derivat und gehört zur Gruppe der sogenannten Neuroleptika, einer besonderen Gruppe von Beruhigungsmitteln.

Typisch für diese Beruhigungsmittel ist, dass sie dosisabhängig das Verhalten eines Tieres verändern können, ohne dass das Pferd seine Aufmerksamkeit für Umwelteinflüsse und seine Koordinationsfähigkeit verliert. Deshalb war und ist diese Substanz für die Pferdemedizin für Eingriffe am stehenden Pferd von besonderer Bedeutung.

Es ist auch bekannt, dass bei dem Einsatz von Phenothiazinderivaten beim Pferd paradoxe Reaktionen auftreten können, das heißt, dass nicht der gewünschte Beruhigungseffekt, sondern das Gegenteil eintritt.

Neben den erwünschten sedierenden Eigenschaften, denen verschiedene neuronale Wirkungen zu Grunde liegen, sind auch erhebliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen bekannt, die vor allem auf die dem Präparat innewohnende kreislaufdämpfende Wirkung zurückzuführen sind. ACP führt zu Gefäßerweiterung und arterieller Blutdrucksenkung, die bis zu schockähnlichen Zuständen führen kann.

Weitere unerwünschte Wirkungen sind unter andern die Senkung von Herzfrequenz und Herzleistung, eine Abnahme der Atemfrequenz, eine Verminderung der roten Blutkörperchen im Gefäßsystem aufgrund einer vermehrten Speicherung in der Milz sowie dosisabhängig ein mehr oder weniger ausgeprägter Penisvorfall .Die schmerzlindernde Wirkung ist dagegen bei ACP gering.

Aus klinischer Sicht ist die sehr unterschiedliche individuelle Ansprechbarkeit auf ACP von Bedeutung. Aus diesem Grunde und wegen der erheblichen Nebenwirkungen gilt die alleinige Verwendung von ACP zur Sedierung eines stehenden Pferdes heute als veraltet. Es sind bessere Beruhigungsmittel für das Pferd auf dem Markt.

Insbesondere ein Einsatz von ACP vor sportlichen Wettkämpfen ist abzulehnen, da unabhängig von der erwünschten Wirkung die Ausscheidung von ACP bzw. seiner wirksamen Metaboliten beim Pferd individuell so stark schwankt, dass es nicht möglich ist, tierärztlich exakte Angaben zur Eliminationszeit zu machen.

Es ist beispielsweise bekannt, dass nach täglich wiederholter Gabe von 120 mg ACP über einige Monate, der Nachweis noch Monate nach der letzten ACP-Gabe möglich ist.

Die tierärztliche Beratung von Pferdesportlern kann also nur dahin gehen, grundsätzlich vom Einsatz von ACP bei Turnierpferden abzuraten.

Dies gilt nicht zuletzt deshalb, weil rechtliche Beschränkungen bestehen.

Nach dem Arzneimittelrecht gilt, dass ACP bei Pferden, die der Lebensmittelgewinnung zugeführt werden sollen, in Europa grundsätzlich nicht eingesetzt werden darf.

Sportrechtlich wird der Einsatz von ACP ebenfalls reglementiert. Im nationalen Reit- und Fahrsport wird ACP in der Liste der verbotenen Substanzen den Dopingsubstanzen zugeordnet. Im internationalen Sport (Reit-und Rennsport) gilt ACP generell als im Wettkampf verbotene Substanz.

Im internationalen Reitsport gibt es zwar die Möglichkeit, die Verabreichung von Substanzen vor dem Start schriftlich zu erklären. Der Tierarzt, dem diese Erklärung vorgelegt wird, muss insbesondere darüber entscheiden, ob die eingesetzte Substanz zum Zeitpunkt des Wettkampfes nicht mehr nachweisbar ist. Dies ist, wie schon weiter oben ausgeführt, in der Regel nicht möglich, weshalb sich eine Gabe von ACP verbietet.

Auch ist zu beachten, dass das Regelwerk der FEI im Falle einer positiven Medikationskontrolle trotz Medikationserklärung eine Disqualifikation von Pferd und Reiter verlangt.

Auch tierschutzrechtlich ist der Einsatz von ACP vor sportlichen Einsätzen verboten. Er wird als Doping gewertet, welches im Gesetz ausdrücklich untersagt ist.


Quelle: www.g-p-m.org/



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